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Wie Sie auch in spannungsreichen Situationen professionell Kommunizieren.

Aktualisiert: 25. Mai 2020

Im Wesentlichen ist Führung eine Kommunikationsaufgabe. Führungskräfte verbringen mehr als 70 Prozent der Arbeitszeit mit Kommunikation: per E-Mail, im direkten Gespräch oder in Meetings. Die Qualität ihrer Kommunikation steht und fällt mit der eigenen Präsenz, der Selbstwahrnehmung und der Prägnanz im Selbstausdruck sowie der Fähigkeit zum Verstehen der Anderen durch Perspektivenwechsel und Empathie.


In spannungsreichen Situationen ist es entscheidend, ob Sie in der Lage sind sich auf die Ebene des Verstehens zu begegnen und nicht in Machtspiele abgleiten. Dies gelingt nicht durch erlernte Kommunikationstechniken, denn diese haben Sie in Momenten emotionaler Ausnahmesituationen nicht zur Hand.


Der amerikanische Psychiater Eric Berne entwickelte die sogenannte Transaktionsanalyse, in der er herausfand, dass wir in der Kommunikation mit anderen zwischen verschiedenen Zuständen wechseln. Das lässt sich an Gestik, Mimik, Wortwahl, Tonfall und Körpersprache erkennen.


Diese drei Ich-Zustände sind:


Das Eltern-Ich: Nach Eric Berne “trägt jeder in seinem Inneren seine Eltern.” In der Kommunikation äußert sich das dann z.B. darin, dass wir unseren Gesprächspartner bevormunden, ihm sagen, was er tun soll, sein Verhalten missbilligen, uns fürsorglich und bemutternd geben u.ä.

Das Erwachsenen-Ich: Unser Erwachsenen-Ich ist reif und kann Situationen weitestgehend sachlich und objektiv sehen. Kommunizieren wir in diesem Zustand, dann behandeln wir unseren Gegenüber gleichwertig, respektvoll und sind sachlich-konstruktiv.

Das Kind-Ich: Auch das Kind, das wir einmal waren, ist ein nach wie vor Teil von uns. Aus diesem Zustand heraus reagieren wir manchmal uneinsichtig oder trotzig, sind albern oder unsicher. Aber auch positive Qualitäten wie Phantasie, Neugier und Lerneifer können zu dem Kind in uns gehören und sich in der Kommunikation zeigen.


Sprechen zwei Personen miteinander, dann sind diese verschiedenen Ich-Zustände beteiligt. Diese Verhaltensmuster sind uns meist nicht bewusst. Außerdem zeigen sie sich nicht immer offensichtlich, sondern können sehr versteckt ablaufen.


Grundvoraussetzung für eine funktionierende Führungskommunikation ist, dass Sie im im Erwachsenen-Ich-Zustand sind und auch Ihr Gegenüber im Erwachsenen-Ich-Zustand adressieren. Unter dieser Voraussetzung haben Sie eine Haltung des „Ich bin OK – Du bist OK“ (dazu später mehr). Auch wenn sie vielleicht nicht immer mit allem einverstanden sind, was die anderen tun, so wissen sie sich doch gegenseitig als Personen wertzuschätzen.


Sprechen Sie einen Ihrer Mitarbeiter aber zum Beispiel an, wenn Ihr Eltern-Ich gerade aktiv ist, dann wird in der Regel im Kind-Ich-Zustand geantwortet. Die Antwort fällt dann eher trotzig oder uneinsichtig aus.


Diese kommunikativen Wechselspiele der verschiedenen Ich-Zustände werden von Eric Berne als “Transaktionen ” bezeichnet. Sich mit diesen Kommunikationsprozessen auseinanderzusetzen, ermöglicht es Ihnen, Ihr eigenes Kommunikationsverhalten sowie Kommunikationsprozesse als Ganzes leichter zu analysieren, zu verstehen und ggf. zu verändern. Wer sich einem Arbeitskollegen gegenüber immer im fürsorglichen Eltern-Ich-Zustand befindet, wird erkennen, warum er ständig Arbeiten von dieser Person erledigen muss. Genauso gut kann es sein, dass jemand in den Zustand des Kind-Ichs verfällt und sich wundert, warum er nicht ernst genommen wird.


Ich-Zustände können wir verändern


Durch Übung und vor allem Selbstreflexion ist es möglich den Ich-Zustand zu verlassen und bewusst in einen anderen Zustand zu wechseln. Der erste Schritt ist, das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen.


Achten Sie in der nächsten Zeit einmal ganz bewusst auf Ihr eigenes Kommunikationsverhalten und beantworten Sie sich die folgenden Fragen:


Kann ich bei mir selbst die verschiedenen Ich-Zustände erkennen?


In welchen Ich-Zustand befinde ich mich besonders oft?


Aus welchem Ich-Zustand handle ich gerade jetzt?


Indem Sie sich angewöhnen, hin und wieder einmal einen Schritt neben sich zu machen und eine Kommunikationssituation in Hinblick auf die drei Ich-Zustände zu analysieren, können Sie sehr gut eingefahrene Kommunikationsmuster zwischen Ihnen und Ihrem Kommunikationspartner erkennen und auch ansprechen.



Neben den verschiedenen Ich-Zuständen gehören auch die folgenden vier möglichen Grundeinstellungen zum Modell der Transaktionsanalyse:


Ich bin nicht o.k.- du bist nicht o.k. – Eine sehr zerstörerische Grundeinstellung, bei der davon ausgegangen wird, dass niemand so wie er ist, “gut” ist – man selbst nicht und die anderen auch nicht.

Ich bin nicht o.k. – du bist o.k. – Eine sehr weit verbreitete Grundeinstellung, mit der wir unseren eigenen Wert herabsetzen und andere Menschen für wertvoller als uns selbst halten.

Ich bin o.k. – du bist nicht o.k. – Hier misst man sich selbst einen höheren Wert als anderen Menschen bei.

Ich bin o.k. – du bist o.k. – Der von Eric Berne verfolgte Ansatz,mit dem wir unseren eigenen Wert und auch den Wert anderer Menschen erkennen und würdigen.


Wo würden Sich einordnen?


In verschiedenen Situationen variieren diese Grundannahmen. Zum Beispiel bei einem Fußballspiel (ich bin o.k., du bist nicht o.k.). Die eigene Lebens-Grundposition bleibt jedoch bestehen, und zieht sich wie ein roter Faden durchs Leben.

In der Führungskommunikation ist also das Wahrnehmen unserer eigenen Ich-Zustände, und ggf. die entsprechende Transformation derselben wichtig.


Außerdem die Annahme der Grundeinstellung "Ich bin o.k. – du bist o.k.". Sie entspricht Brenes Grundsatz, dass die Menschen in Ordnung sind, und zwar von Geburt an. Dieses in Ordnung sein rührt daher, dass jeder Mensch als ein Lebewesen geboren ist.


Das Verhalten kann auch nicht in Ordnung sein. In der Transaktionsanalyse wird eine strikte Trennung zwischen Person und Verhalten vorgenommen. Die Person ist IMMER ok, das Verhalten kann auch nicht ok sein.


Bernes Modell ist ein sehr nützliches Instrument, um das eigene Kommunikationsverhalten, aber auch das Kommunikationsverhalten anderer zu verstehen und zu modifizieren. Die Transaktionsanalyse kann dabei helfen, sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext eine höhere Wirksamkeit zu erreichen.


Grundvoraussetzung dafür sind allerdings Selbstreflexion und Durchhaltevermögen. Wer die nötige Distanz zu seinem eigenen Verhalten aufbringen und Dinge auf einer sachlichen Ebene betrachten kann, wird die Gründe für manche Probleme erkennen.


Alles Liebe Eure Silke von der E-Learnbox



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