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Warum Teamwork überbewertet wird.

Aktualisiert: 25. Mai 2020

Arbeiten Sie gerne im Team? Wir bilden im beruflichen häufig Teams, weil wir uns einen positiven Effekt davon erhoffen. Die empirische Evidenz für diese so genannten „Synergieeffekte“ – die durch Gruppen erzielt werden sollen – fehlt jedoch: Bislang konnten keine bzw. nur bedingte positiven Leistungseffekte von Gruppen im Vergleich zu individuellen Leistungen nachgewiesen werden. Direkte negative Effekte von Gruppen auf das Leistungsergebnis sind hingegen insbesondere durch sozialpsychologische Studien relativ gut belegt.

In Gruppen spielt die Persönlichkeit des Individuums oft nur eine untergeordnete Rolle. Menschen weisen verschiedene Handlungsmuster in Gruppen auf, sie nehmen diverse Rollen ein und beeinflussen damit die Gruppe als Ganzes. Die Rede ist von Gruppendynamik (mit Kurt Lewin als einem den wichtigsten Entwicklern der Theorie).

Dafür kennt jeder von uns bestimmt einige Beispiele! Viele haben es schon selbst erlebt, wie ansteckend die Stimmung einer Gruppe ist. Sie kann sich auf eine gesamte Abteilung auswirken.


Eine gut funktionierende Gruppendynamik ist an Teammitglieder zu erkennen, die einander vertrauen und unterstützen. Hier leistet jeder seinen Beitrag. Eine gesunde Gruppendynamik fördert Produktivität, eine schlechte beeinträchtigt die Arbeit ziemlich stark.


Ein faszinierender Effekt ist der Ringelmann-Effekt, der besagt, dass eine kollektive Leistung geringer sein kann, als die aufsummierten Einzelleistungen erwartet lassen. Das hat der Agraringenieur Maximilien Ringelmann erkannt: Er ließ verschiedene Versuchsteilnehmer an einem Tau ziehen und fand heraus, dass die Zugkraft mit steigender Gruppengröße nicht wie erwartet linear anstieg. Im Gegenteil, er konnte Produktivitätsverluste bei ansteigender Personenanzahl beobachten.


In der Gruppensituation verringert sich die Leistung eines Gruppenmitgliedes, weil sein persönlicher Beitrag nicht identifizierbar oder bewertbar ist oder weil ein Vergleich mit der Leistung anderer Gruppenmitglieder fehlt. Bei diesem sogenannte "soziale Faulenzen" fahren Mitarbeiter ihre Leistung herunter, da ihr individueller Beitrag zum Gesamtergebnis nicht sichtbar ist. Die Folge ist in der Regel ein Motivationsverlust. Um entgegenzusteuern muss die Einzelleistungen wieder sichtbar gemacht werden. Definieren Sie außerdem individuelle Ziele klar und stellen Sie herausfordernde Aufgaben. Ein Belohnungssystem kann auch nicht schaden.


Ein weiterer Effekt ist das Trittbrettfahren: Trittbrettfahrer sind Profis darin, ein Minimum an Arbeit zu leisten und dabei trotzdem super beschäftigt zu wirken. So kommt kaum einer auf die Idee, dass sie in Wirklichkeit gar nichts Produktives tun. Dabei profitieren sie noch vom Einsatz ihrer Kollegen, tragen aber nichts zum Gruppenerfolg bei. Im Gegensatz zum sozialen Faulenzen findet das Trittbrettfahren bewusst statt. Wird es im Team sichtbar, sinkt auch die Motivation. Engagierte Mitarbeiter fahren ihre Leistung herunter, um nicht ausgenutzt zu werden. Der sogenannte Trotteleffekt tritt ein. Auch in diesem Fall empfiehlt es sich die Leistung von allen Mitarbeitern sichtbar zu machen, aber ohne sie dabei bloß zu stellen.


Wenn Gruppenmitglieder schlechtere Entscheidungen treffen als möglich, dann kann es sich um den Effekt des Gruppendenkens handeln. Sie halten ihre Meinung z. B. zum Erhalt der Gruppenharmonie zurück oder passen sie an. Das Risiko von Fehlentscheidungen wird so erhöht. Vor allem bei hoher Gruppenkohäsion tritt Gruppendenken häufiger auf. Führungskräfte können für die Gefahr von Gruppendenken sensibilisieren, und zur individuellen Meinungsäußerung ermutigen. Auch das hinzuziehen von externen Personen kann dem entgegenwirken.


Zuletzt kann noch die “soziale Hemmung“ eine negative Auswirkung auf die Teamarbeit haben. Die Anwesenheit anderer kann zu einer Leistungsminderung führen, wenn sich die Person dadurch gehemmt oder unter Druck gesetzt fühlt. Das ist häufiger bei der Bearbeitung komplexer Aufgaben der Fall.


Natürlich macht es weiterhin Sinn, im Team zu arbeiten. Es macht allerdings Sinn, auch die negativen Aspekte beim Namen nennen zu können und ggf. dagegen zu steuern.


Liebe Grüße Eure Silke von der E-Learnbox



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